Aktuelles

26. Mai 2020

Neues Heft der Zeitschrift Industriekultur erschienen

Vor wenigen Tagen ist das Heft 1, 2020, der Zeitschrift Industriekultur erschienen.

 

Unter dem Titel "Auf schmaler Spur" bilden darin die Schmalspurbahnen in Deutschland, Italien und Spanien das Schwerpunktthema (S. 2-22). Nach einem einführenden Beitrag von Sven Bardua werden Normalspur-Waggons auf Schmalspurgleisen, die Landwirtschaftsbahn Freistatt (Niedersachsen), die Bürgeraktion für die Bottwartalbahn (bei Heilbronn), die Schmalspurbahnen auf Sardinien und in der spanischen Provinz León sowie die Stadtbahnen in Naumburg und Halberstadt behandelt. Mit den Möglichkeiten der Schmalspur im 21. Jahrhundert beschäftigt sich Hans-Joachim Knupfer in seinem perspektivischen Beitrag.

 

Als Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) werden das Moormuseum in Geeste im Emsland, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt), das Fabrikmuseum La Encartada in Balsameda (Spanien) und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide vorgestellt.

 

In Nordrhein-Westfalen, dessen Landschaftsverbände die Zeitschrift tragen, liegen die vier eindrucksvolle Objekte der Industriekultur, die einzeln präsentiert werden, darunter das Klärwerk Uerdingen als "in Beton gegossener Jugendstil" und die Papiermühle Alte Dombach, die in Bergisch Gladbach Klopapier produzierte und in der nun eine Ausstellung zum Thema "Von der Rolle - Klopapiergeschichten" ein auch in jüngster Zeit aktuelles Thema vorgestellt wird.

 

Auf die Notwendigkeit, Transformatorenstationen (Trafotürme) zu schützen, zu erhalten und zu dokumentieren - ein Thema das ja auch für Mittelhessen ansteht - weist Norbert Gilson, Mitglied im Netzwerk Industriekultur Mittelhessen, in seinem Beitrag S. 34-35 hin.

 

Berichte zur Industriekultur in den Regionen und Lesezeichen beschließen das wiederum sehr lesenswerte Heft.

 

Das Abonnement der "Industriekultur" für 4 Hefte pro Jahr kostet 26 €, ein Einzelheft kann für 6,95 € bezogen werden.

Otto Volk



27. Mai 2020

Gießen und der Tabak - Die Gießener Tabakspinner vor Georg Philipp Gail

Der Taback-Spinner, Kupferstich von 1694 aus:  Abraham a Sancta Clara: Etwas für Alle, 1694.
Der Taback-Spinner, Kupferstich von 1694 aus: Abraham a Sancta Clara: Etwas für Alle, 1694.

Die Geschichte der Tabak- und Zigarrenindustrie in und um Gießen lässt man üblicherweise mit Georg Philipp Gail (1785-1865) beginnen, der, aus Dillenburg kommend, 1812 eine erste Rauchwarenfabrik in der Universitätsstadt errichtete.

 

Dass man sich in Gießen schon in der zweiten Häfte des 18. Jahrhunderts mit der Tabakherstellung und -verarbeitung beschäftigt hat, ist weniger bekannt. Der  hessen-darmstädtische Amtmann in Gießen, Jakob Christian Klipstein, erstellte 1767 im Auftrag seiner Regierung in Darmstadt ein Memorandum über die wirtschaftliche Situation im Oberamt Gießen nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763).  In seinem ausführlichen Bericht vom 27. August 1767 beschreibt er auch die Lage der Tabakspinner in Gießen, denen durch die 1765 gegründete Schatzmannsche Tabakfabrik eine neue Konkurrenz entstanden war:


"Um die Stadt Gießen wird eine ziehmliche quantitaet Taback ordinairer und sogenannter Türckischer Taback gezogen, welcher an die Gießer Tabacks Spinner verkauft und von diesen ohngepeitzt [ungebeizt] in Stangen gesponnen und wieder verkauft wird, - es nähren sich davon gegen 14 Familien in Gießen und die Pflanzung dieses Tabacks ist so einträglicher alß der Centner auf 10, 12 biß 14 fl. (Gulden) angebracht - und neben oder zwischen denen Tabacks-Pflanzen das Beste Kraut gezogen werden kann, weches durch den Taback vor den Raupen gesichert ist.

Vor Anlegung der Schatzmännischen Fabrique [1765] haben die Gießer Tabacks Spinner vor den alleinigen Vertrieb des zu Gießen gezogenen Tabacks 106 fl. zur Fürstl. Rentherey bezahlen Müßen. Bey der Einführung des Schatzmännischen Tabacks konte dieses Landes production und desen debit (Schuld) und verarbeitung so weniger niedergeschlagen werden, alß denen Schatzmännern diese Arth Taback zu ihrer Fabrique nich Brauchbar oder zu theuer ware - Sie verglichen sich also mit denen hiesigen Tabacks Spinnern und gestatteten ihnen den Einkauf, das Spinnen und den Verkauf der Gießer ohngepeitzten Stangen Taback um die 10 fl., welche Sie vorhin gnädigster Herrschaft geben nach wir vor. ..."

 

Aus: Bericht des Amtmanns Klipstein vom 27. August 1767 über die wirtschaftlichen Verhältnisse im Oberamt Gießen nach dem 7jährigen Krieg. bearb von Otto Stumpf. In:  Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen, Neue Folge 73, 1988, S. 99-118, hier S. 103.

Otto Volk

 


20. Mai 2020

Corona - und wie gehts weiter ?

Die ehemalige Bergschule in Dillenburg
Die ehemalige Bergschule in Dillenburg

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Industriekultur in Mittelhessen,

heute, am 20. Mai 2020,  wollten wir uns, so hatten wir im Februar in Wetzlar vereinbart, in Dillenburg zum nächsten Treffen des Netzwerks Industriekultur zusammenfinden. Dazu ist es leider, aus Gründen, die Ihnen allen bekannt sind, nicht gekommen. Das ist schade, aber in diesen ungewöhnlichen Zeiten gibt es wohl für vielen Menschen in unserem Land und darüber hinaus weitaus größere Probleme.

Ich hoffe sehr, dass es Ihnen allen gut geht, dass Sie dem Virus bisher erfolgreich entgehen konnten und dass das auch in Zukunft so bleibt.

Natürlich geht unsere Arbeit zur Industriekultur weiter, aber noch ist nicht abzusehen, wann wir uns wieder treffen können. Selbst wenn ein Treffen rechtlich und organisatorisch wieder möglich sein sollte, möchte ich doch daran erinnern, dass eine größere Zahl unserer Mitglieder des Alters und etwaiger Vorerkrankungen wegen zur Risikogruppe gehören (und ich gehöre ja selbst auch dazu). Ich halte es aber für wichtig, dass alle von uns sicher und ohne Gefahren und Bedenken zum Treffen kommen können. Wann das sein wird, ist für uns alle noch nicht absehbar, so dass wir unsere Treffen bis auf Weiteres aussetzen müssen.

Es wäre dennoch schön, wenn wir unsere gemeinsame Arbeit - auch ohne ein Treffen - wieder aufnehmen könnten. Telefonieren, Mailen und Skypen ist ja zum Glück nicht infektiös und ich biete gerne an, dass unsere Netzwerkseite intensiver als bisher zum Austausch genutzt wird. Wenn Sie also ein Anliegen in Sachen Industriekultur haben, Fragen, Bedarf an Literatur, wenn Sie gerne eigene Projekte vorstellen möchten usw., dann schreiben Sie mir bitte oder rufen Sie mich an (06424/6255). Noch besser wäre es, wenn Sie einen kurzen Text für unsere Webseite schreiben und eventuell ein Bild anbieten. Damit Sie bemerken, dass etwas Neues eingestellt wurde, würde ich Ihnen dann bis auf Weiteres jeweils eine kurze Mail-Notiz senden.

Bis dahin grüße ich Sie sehr herzlich
und bleiben Sie gesund!

Ihr Otto Volk


23. Januar 2020

4. Treffen des Netzwerks am 19. Februar 2020 in Wetzlar

Das Neue Rathaus der Stadt Wetzlar
Das Neue Rathaus der Stadt Wetzlar

Das nächste Treffen des Netzwerks Industriekultur Mittelhessen findet am Mittwoch, dem 19. Februar 2020, 17 Uhr im Neuen Rathaus in Wetzlar statt. Im Mittelpunkt des Treffens steht dieses Mal, dem Tagungsort entsprechend, die Industriegeschichte der Stadt Wetzlar, dem historisch sicherlich bedeutendsten Industriestandort im heutigen Mittelhessen.

 

Die Tagesordnung sieht vor:

1. Eröffnung und Begrüßung, Vorstellung

2. Grußwort von Herrn Manfred Wagner, Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar

3. Vorträge

Prof. Dr. Otto Volk (Marburg) : Die Industriestadt Wetzlar in der Route der Industriekultur Mittelhessen

Dr. Christoph Franke (Stadtarchiv Wetzlar) : Forschungvorhaben zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Wetzlar im 20. Jahrhundert

 Ernst Richter (Wetzlar) : Die Rüstungsindustrie in Wetzlar im Zweiten Weltkrieg

4. Berichte und Informationen aus dem Netzwerk, neue Literatur

5. Planungen für weitere Treffen

 

6. Verschiedenes

 

Unter Tagesordungspunkt 4 besteht die Möglichkeit von Informationen oder Kurzberichten aus den eigenen Arbeitsbereichen. Beiträge sind erwünscht.

Otto Volk



Erklärung der Mitgliedschaft im Netzwerk jetzt als PDF-Formular verfügbar

Personen, Gruppen, Vereine und Institutionen, die (auch) auf dem Gebiet der Industriegeschichte und Industriekultur in Mittelhessen tätig oder daran interessiert sind, können ab sofort ihre Mitgliedschaft im Netzwerk Industriekultur Mittelhessen erklären. Bitte füllen Sie dazu das unten angefügte PDF-Formular aus und senden es postalisch oder per EMail-Anhang an die im unteren Teil der PDF-Seite genannten Adresse.

 

Näheres zur Mitgliedschaft siehe im Menü rechts unter "Mitglied werden".


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